Beim Dreh unseres eigenen neuen Moodfilms für unsere Website nutzten wir die Gelegenheit für ein Gespräch mit einem unserer langjährigen Partner in Sachen Bewegtbild, Philipp Waldhauser. Das Thema liegt auf der Hand: Moodvideos. Die etwas gewagte These dazu? Imagefilm ist tot. Lang leben Moodvideos.
Der klassische Imagefilm hat ein Problem: Er ist oft beliebig, teuer produziert und versucht möglichst viel über ein Hotel zu erzählen. Gleichzeitig hat sich die Customer Journey verändert. Hotels werden heute längst nicht mehr erst auf ihrer Website entdeckt. Instagram, TikTok, YouTube und andere Plattformen sind zu wichtigen Kanälen geworden, an denen Menschen inspiriert werden und überhaupt erst Lust auf einen Aufenthalt bekommen.
Und dort geht es weniger um Zimmergrößen, Spa-Flächen oder Öffnungszeiten. Es geht um starke Bilder, Atmosphäre und Geschichtenerzählung. Um die Frage: Wie könnte es sich anfühlen, dort zu sein?
Genau hier kommen Moodvideos ins Spiel. Sie versuchen, die Essenz eines Hauses in ein Gefühl zu übersetzen. Im besten Fall entsteht daraus eine visuelle Erzählwelt vom großen Moodfilm bis hin zu hochwertigen, seriellen Formaten. Fast wie bei kleinen TV-Episoden. Die Website greift diese Geschichte anschließend auf, vertieft sie und macht aus Interesse im besten Fall eine Buchung.
Der Begriff kommt jetzt nicht aus dem Duden, beschreibt aber sehr gut, worum es im Kern geht: nämlich das Gefühl zu vermitteln, wie es sich anfühlt, Zeit in dem Haus zu verbringen. Mein Ziel ist es, einen Tagtraum zu kreieren, der Sehnsucht nach diesem spezifischen Erlebnis weckt.
Um die Tagtraum-Metapher wieder aufzugreifen: Man träumt nicht in Form von die Jahre gekommenen Werbeplakaten, sondern davon, wie sich Details anfühlen. Niemand träumt aus der Perspektive eines Drohnenflugs, wie ein generisches Paar am Pool mit Champagner anstößt. Sondern davon, wie sich die Meeresbrise im letzten Urlaub auf der salzigen Haut angefühlt hat. Es geht exakt darum, diese Sehnsüchte zu bündeln und ganz konkret mit der Marke in Verbindung zu bringen.
Im Grunde läuft der Dreh nicht viel anders ab als der eines klassischen Image-Drehs. Es geht vielmehr darum, wie man etwas filmt, als darum, was man filmt. Dafür braucht es ein spezialisiertes Auge. Das Mobiliar, das Restaurant und der Ausblick sind nicht das Zentrum des Bildes wie bei einem Booking.com-Foto, sondern werden die Landschaft, in der einzigartige Momente passieren, die das Hotel ausmachen.
Nein, gar nicht! Es geht einfach nur um sehr bewusste Entscheidungen und eine smarte Umsetzung. Unter anderem um eine sehr bewusste Stilentscheidung, die die Marke unterstreicht. Ich mache mir sehr viele Gedanken über Workflows und habe für jeden Stil das passende Repertoire an Tools. Lässt sich für den gewählten Stil – zum Beispiel, ich nenne es intern »Smart Luxury Workflow« – umsetzen, ist das Ganze eine sehr leichtfüßige Produktion!
Nein nicht grundsätzlich. An erster Stelle steht die Strategie; die kann einem sagen, ob es sinnvoller ist, mit einem neuen Pool um die Wette zu rüsten oder die Marke sichtbar zu machen. Wenn Sichtbarkeit, dann dort, wo der Sales-Funnel heute beginnt: auf videozentrierten Plattformen. Und hier geht es um die Essenz des Hauses + hochwertige Sonderformate (Beispiel Burg Hotel feat. Simone). Dass das Fakt ist und wie elegant das funktionieren kann, zeigen High-End-Häuser rund um die Welt (Beispiel: Aman). Man hört heraus, dass ich hier natürlich etwas biased bin. Aber wenn ich so ehrlich sein darf: Österreich ist da einfach extrem weit hinterher. Und genau das ist auch die Chance.
Gut über die Strategie nachdenken. Die gesamte Hotellerie steht unter Preisdruck; Moodfilme sind ein super preiswertes und effektives Tool, um sich im Markt abzuheben. So eine Produktion lässt sich super mit einem Fotoshooting kombinieren, um weiter Geld zu sparen. Und hochwertig umgesetzt sind beides Dinge, von denen man nachhaltig zehrt.
Vielleicht ist der Imagefilm also gar nicht tot. Aber die Vorstellung, ein Hotel ließe sich mit schönen Drohnenaufnahmen, einem Paar am Pool und einer möglichst vollständigen »Leistungsschau« unverwechselbar erzählen, hat ausgedient.
Bewegtbild muss heute früher ansetzen, nämlich bei Aufmerksamkeit, Sehnsucht und einem Gefühl für die Marke. Moodvideos können genau das. Vorausgesetzt, sie entstehen aus einer klaren Positionierung und einer eigenständigen Idee.
Am Ende geht es ganz einfach darum, Bilder zu kreieren, bei denen sich die Gäste denken: Da will ich hin.
Philipp Waldhauser ist ein Handwerker, der Handwerkskunst in Szene setzt und weltweit Dinge filmt, die es wert sind, festgehalten zu werden.
Zur Website von Philipp Waldhauser: Website