November 2019

Im Gespräch mit dem Gast

In Zeiten von Big Data brechen wir eine Lanze für die qualitative Befragung.

Bei einer heißen Tasse Kaffee sitze ich im Restaurant mit einem Gast des 4*-Hotels zusammen, in dem er – nennen wir ihn Egon – schon seit etlichen Wintersaisonen seine Skiurlaube verbringt. Die Aufgabe von Solid & Bold ist es, die neue Marke und ihr Design für das Hotel zu entwickeln. Zur Basis unserer Arbeit gehören Interviews mit Gästen, um sie mit ihren Sichtweisen besser zu verstehen und anschließend unsere zukünftigen Aktivitäten daran auszurichten.

Das Hotel hatte bereits Online-Umfragen durchgeführt und eine Menge über seine Gäste erfahren. Wo sie herkommen, welches Alter sie haben, mit wem sie verreisen und wie sie den Service, das Essen und die unterschiedlichen Angebote bewerten.

Doch wir bekommen keine Infos über das Warum oder was genau sie besonders gut oder schlecht finden. Durch die vorgefertigten Antworten haben die Gäste keinerlei Möglichkeiten, andere für sie wichtige Sachverhalte anzubringen. Und bei einer Online Umfrage nach dem Warum zu fragen…sind wir mal ehrlich, würden Sie das machen? Hier ermüdet der Gast recht schnell und schreibt im schlimmsten Fall gar nichts dazu.

Es geht darum, neue Sachverhalte aufzudecken, was mit dem vorgefertigten Antwortschema einer quantitativen Methode so nicht möglich ist.

In den Einzelinterviews können wir es locker angehen. Der Befragte kann frei sprechen, ganz ohne Vorgaben. Hier und da wird auch gelacht. Bei diesen Interviews gibt es keine falschen Antworten – das lasse ich zu Beginn des Gesprächs mein Gegenüber immer wissen. Nach ca. 45 Minuten treten viel mehr Insights zutage als bei einer Online Befragung. Das ist ebenfalls Sinn und Zweck einer qualitativen Befragung. Es geht darum, neue Sachverhalte aufzudecken, was mit dem vorgefertigten Antwortschema einer quantitativen Methode so nicht möglich ist. Auch im Vergleich zu einer Typologie (Einteilung der Gäste in homogene Gruppen nach psychografischen, sozidemografischen Aspekten oder Lebensstilen) kann eine qualitative Befragung viel mehr dezidierte, auf das Hotel zugeschnittene Antworten liefern. Dazu gehört u.a. was die Gäste an dem Hotel besonders finden, warum sie gebucht haben und was sie wiederkehren lässt.

In den Gesprächen mit den Gästen können wir viel tiefer nachfragen oder ein Thema genauer durchleuchten, wenn wir merken, dass dieses von Bedeutung ist.

Somit bekommen wir die Möglichkeit herauszufinden, was aus Sicht der Gäste das Hotel einzigartig macht, was sie gut finden, was sie sich vielleicht noch wünschen und wo sie Verbesserungsbedarf sehen – eine wunderbare Basis für die Positionierung und Definition der Marke eines Hotels, die Ableitung von Maßnahmen für Produkte und Services und für die Inhalte der Kommunikation.

Gespannt höre ich also Egon zu, wie er mir von seinen Erfahrungen, Eindrücken und Meinungen zum Hotel erzählt. Ab und zu taucht auch Kritik auf und ich notiere mir zudem ein paar Verbesserungsvorschläge. Generell bringt Egon viele neue Sachverhalte auf, die dem Hotel vorher unbekannt waren.

„Die Qualität des Essens ist super, aber dieses Mal ist der Service nicht so gut,“ sagt Egon und runzelt dabei die Stirn. Er wirkt etwas enttäuscht. Interessant, da muss ich gleich nachhaken und frage ihn, was ihm genau am Service nicht mehr passt. „Die Kellner sind nicht so nett. Das finde ich nicht gut. Früher waren die viel offener, freundlicher und lustiger. Die jetzt wollen fast gar nicht mit dir reden. Es scheint auch so, als hätten die gar keine Lust auf ihren Job.“

Egon ist anscheinend ein kommunikativer Typ. Zudem ist er alleine hier, wie viele der Gäste. Er scheint also den Wunsch nach mehr Gesellschaft zu haben.

Ich frage Egon, warum er immer wieder herkommt und was ihm das persönlich bedeutet.

„Ich komme hier immer wieder her, weil es ein bisschen so ist wie früher.“

„Was bedeutet für dich wie früher?“ frage ich Egon.

„Naja, eben nicht so anonym, wie in vielen anderen großen Hotels. Die Leute sprechen hier mit dir. Sogar der Chef schenkt dir seine Aufmerksamkeit. Der weiß ganz genau, wer ich bin und fragt mich jedes Mal, wie es mit meinem Job läuft. Ihm habe ich mal vor Jahren davon erzählt. Das ist echt ein bisschen wie Familie hier, wie zu Hause, nur viel entspannter. Ich erinnere mich dann immer gerne an die guten Gespräche und die schöne Zeit. Deshalb fahre ich im Winterurlaub nur hier her.“

Was ich jetzt noch nicht weiß: Auch in weiteren Interviews mit anderen Gästen wird diese spezielle Atmosphäre immer wieder hervorgehoben. Interessant – bisher hatte das Hotel sich vielmehr auf die gute, zentrale Lage konzentriert und diese mehrfach kommuniziert. Nur ist fraglich, inwieweit dies ein Differenzierungsmerkmal zu den anderen zehn 4* Häusern, die ebenfalls im Zentrum des Orts stehen, sein soll. Ich überlege: „Das Familiäre und die Nähe zwischen Gastgeber und Gast könnte Potential haben. Vor allem, wenn es hier so viele Alleinreisende gibt.“ Doch scheint es Unstimmigkeiten zu geben, denn diese Atmosphäre ist wohl im Restaurant des Hotels nicht spürbar. Punkte, auf die ich in den anderen Interviews achten muss. Eventuell ist die Sichtweise von Egon kein Einzelfall.

Was sich bei Egon zeigt, ist seine klare Erwartungshaltung an das Hotel. Ihm ist das geborgene Gefühl wichtig und dass jemand da ist, der ihn beachtet. Er möchte sich im Urlaub nicht als einsamer Single fühlen. 

So wie Egon hat jeder Gast stets eine Erwartung an das Hotel, das er besucht. Diese muss immer und überall erfüllt werden – vom Angebot über das Personal bis hin zum Design und der Kommunikation. Wird die Erwartung nicht erfüllt, kann der positive Eindruck leicht Risse bekommen. Die Erwartungshaltungen von Gästen basieren auf einer emotionalen Ebene. Denn so funktioniert Urlaub: Wir fahren immer (wieder) dort hin, wo wir die schönsten, berührendsten Momente hatten. Wie Egon, der nicht aufgrund der Lage immer wieder seinen Urlaub in diesem Hotel verbringt. Sondern wegen des Gefühls, dort Teil einer Gemeinschaft zu sein, die Wert darauf legt, mit ihm eine gute Zeit zu verbringen.

Besondere Emotionen auszulösen und Erwartungen zu erfüllen bedeutet jedoch nicht nur, Verbesserungen im Restaurant vorzunehmen.

So berichtet mir Egon „Früher hatten sie so eine warme und familiäre Atmosphäre. Jetzt ist es eher kühl. Außerdem finde ich, dass das ganze Hotel etwas in die Jahre gekommen ist. Irgendwie fühle ich mich da nicht mehr ganz so willkommen. Ist nicht so ansprechend. Sie könnten mit der Qualität ein bisschen raufgehen.“

Ich frage Egon prompt, was er mit der „Qualität raufgehen“ meint. „Naja, irgendwie moderner, aber nicht so hip. Es sollte schon noch seinen alten Charme behalten. Bessere, nachhaltigere Materialien wären gut, wo man die Qualität spürt. Die Bäder oder die Einrichtung des Restaurants und der Bar sind doch schon etwas veraltet.“

Nachdem ich weitere Interviews geführt habe, lässt sich ein gutes Bild erkennen. Die meisten der Gäste kommen eigentlich wegen der familiären Atmosphäre in das Hotel. Das bedeutet, dass sie sich hier nicht allein oder anonym fühlen. Vielmehr trifft man auf alte Freunde und neue Bekannte, mit denen man eine lustige Zeit verbringt. Allerdings gibt es Mitarbeiter, die diese persönliche Stimmung nicht verkörpern. Dies könnte für einige Stammgäste möglicherweise ein Grund sein, nächstes Jahr nicht mehr zu kommen. Vor allem neue Gäste bemängelten auch, dass die Anreise aufgrund der schlechten Beschilderung und den sehr engen Parkplätzen mühselig sei. Viele fühlten sich dabei nicht gleich willkommen. Andere wiederum führten die in die Jahre gekommene Interior Design des Hotels an. Meine Aufzeichnungen sind zum Schluss gespickt mit zahlreichen Verbesserungsvorschlägen und Wünschen, aber auch mit Lob und Dingen, die unbedingt beibehalten werden sollen.

Nach dem Zusammenfassen aller Ergebnisse sind wir zufrieden. Da ist eine Menge dabei, was uns bei der Positionierung bzw. Differenzierung des Hotels helfen wird. Zudem können wir eine Marke definieren, die sich genau mit dem Bedürfnis der Gäste deckt. So versteht jeder Gast im Vorfeld, was er von dem Hotel erwarten darf. Die zusätzlichen Wünsche, Verbesserungsvorschläge, Lob und Kritiken helfen uns zudem dabei, ein konsistentes Gästeerlebnis zu kreieren, so dass der Gast mit schönen Erinnerungen nach Hause fährt und vielleicht sogar wiederkommt. So werden das neue Markendesign und das Interior Design ein persönlicheres Flair bekommen. Es sollen Räume geschaffen werden, die Momente der Begegnung ermöglichen, so dass sich die Gäste noch mehr als Teil einer (Hotel-)Gemeinschaft fühlen. Auch einige Kritikpunkte der Gäste werden aufgegriffen und verbessert, wie z.B. ein selbst erklärendes und gut wahrnehmbares Orientierungssystem zum und im Hotel.

Bei der Präsentation der Ergebnisse ist der Kunde angesichts der neuen Erkenntnisse positiv überrascht. Denn obwohl er viel mit seinen Gästen spricht, halten sich die meisten mit Lob oder Kritik zurück. Vieles ist dabei, was der Kunde mit Hilfe seiner Online-Befragung nie herausgefunden hätte. Er überlegt sogar, ein paar Punkte noch einmal quantitativ abzufragen – manche bemängelten u.a. den zu kleinen Spa.

Bei der qualitativen Befragung in Form von Gäste-Einzelinterviews ergeben sich schnell wertvolle und oft unerwartetete Erkenntnisse – meist reicht eine geringe Anzahl von 5 bis 20 Befragten.

Doch eines sei zu bedenken: Solche Interviews verlangen Erfahrung, Empathie und ein gutes Gespür, wo man noch etwas tiefer nachhaken sollte. Es ist wichtig, sich auf sein Gegenüber einzulassen und eine Sympathie bzw. Vertrauensbasis aufzubauen. Nicht jeder Mensch ist so kommunikativ und offen wie Egon – auch mürrische, verschlossene Menschen können uns als Gesprächspartner gegenübersitzen.

Und Egon? Ich bedanke mich für seine Zeit und die vielen nützlichen Einblicke. Auch er ist froh, dass wir das Gespräch geführt haben und dass dem Hotel seine Meinung wichtig ist. Er freut sich schon auf das heutige Abendessen, das er vom Hotel als Dankeschön erhält.

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November 2019

Der Wohlklang der einzelnen Töne

Was ein Markendesign wertvoll macht ist nicht nur die Ästhetik (Form) der einzelnen Elemente, sondern vor allem die Funktionserfüllung in Summe. Der Wohlklang, wenn Ihre nun entwickelten Markenstilelemente auf besondere Art und Weise zusammenspielen. 

Es geht nicht darum, einzelne virtuose Solisten zu schaffen, sondern ein Orchester zu bilden, wo alle Musiker mit ihren Instrumenten Töne abgeben, die zusammen einen harmonischen Klang erschaffen. 

Unser Markendesign-Verständnis

Richtig orchestriert und in harmonischer Einheit haben Ihre Markenkennzeichen einen enormen Mehrwert für Ihre Marke, indem sie:

  • Aufmerksamkeit für Ihre Marke erzeugen
  • Ihre Auffindbarkeit erhöhen (Orientierung)
  • Ihre Marke unterscheidbar machen (Differenzierung)
  • Informationen über Ihre Marke verbreiten
  • ein einheitliches Image erzeugen
  • die Marke positiv aufladen (Bedeutung)
  • die Produktverwendung erleichtern (Usability)
  • die Identifikation der Bezugsgruppen mit der Marke steigern
  • die soziale Anerkennung der Bezugsgruppen (Prestige) erhöhen

Die oben angeführten Basiskonstanten wie Logo, Name, Claim, Farben, Schrift etc. sind wichtig, können aber nur in Verbindung in einem System überzeugen. So entsteht ein ganzheitlicher Markenstil, bei dem jedes Detail für eine Markenkennung sorgt. Das Logo wird hier gar nicht überall gebraucht, da es durch ein Designprinzip ersetzt wird. Die ganzheitliche Qualität des Markenstils sorgt dafür, dass die Marke auch in Ausschnitten erkannt und erlebt wird. Jedes Fragment des Auftritts wird damit zum Markenzeichen.

Machen Sie den Test: Decken Sie bei den verschiedenen Erscheinungen Ihrer Marke (Website, Folder, Newsletter…) das Logo ab. Würden Sie sagen, dass Ihre Marke jetzt noch erkennbar ist?

If you can’t tell who’s talking when the trademark is covered, then the brand’s voice is not distinctive.

Marty Neumeier | The Brand Gap

Erfolgreiche Beispiele sind: Burberry mit seinem Karomuster; die markante Kofferschale von Rimowa; der Humor von Apple (Siri); oder der handgeschriebene Vorname auf dem Starbucks Becher.

Das typische Rimowa-Muster als ikonisches Markenzeichen

Hoteliers only

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Ihre Markenstrategie muss mit einem Markenstil in eine erlebbare Dimension überführt werden. Jeder einzelne Wert hat es verdient, dass mit ihm kreativ gearbeitet wird und daraus Strategien entspringen. Das bereichert Design, Kommunikation und Image Ihres Hotels und erleichtert Ihnen die Anwendung.

In der Praxis bedeutet das, dass Sie nicht immer ein Logo abbilden müssen, um ihre Hotelmarke zu kommunizieren, sondern das Hotel auch über die anderen Elemente subtiler in Erscheinung treten kann: Schrift, Farbe, Bild, Form… So entgehen Sie einer zu starken Penetration Ihrer Marke und vermeiden ein »Overbranding«, welches beim Gast nicht selten einen negativen Beigeschmack hinterlässt.

Die Entwicklung eines differenzierten, ganzheitlichen und »treffenden” Markenstils – also eines Erscheinungsbilds, das den Markenkern und die Markenversprechen mit 100% Stimmigkeit sichtbar, fühlbar und greifbar macht – hilft ihrem Hotel, Ihr Leistungsversprechen glaubhaft an den Gast zu kommunizieren. Der Markenstil bildet dafür das Fundament und den roten Faden für alle nachgelagerten Kommunikationsaufgaben, die in Ihrem Hotel anfallen. Gut konzipiert sorgt er schließlich für Effizienz und Kostenersparnis. Das Markendesign als zentraler Ausgangspunkt für alle Erscheinungen Ihres Hotels, stellt alle wichtigen Elemente ausformuliert zur Verfügung. Sie müssen bei neuen Projekten dann nicht wieder bei null anfangen, sondern können auf markentypische Stilmittel zurückgreifen. 

In der Praxis bedeutet das, dass Sie nicht immer ein Logo abbilden müssen, um ihre Hotelmarke zu kommunizieren, sondern das Hotel auch über die anderen Elemente subtiler in Erscheinung treten kann: Schrift, Farbe, Bild, Form… So entgehen Sie einer zu starken Penetration Ihrer Marke und vermeiden ein »Overbranding«, welches beim Gast nicht selten einen negativen Beigeschmack hinterlässt.

Ihr Hotel kann mit einem Markenstil an Präsenz und Lebendigkeit zulegen. Das verstärkt seitens der Zielgruppe die Wahrnehmung und vertieft das Gasterlebnis. Darin liegt der Wert eines starken Markendesigns.

Quellen:
Photo by Spencer Imbrock on Unsplash
Slider: Photo by Evelyn Semenyuk, Tuan Nguyen, Carrie O'Brien on Unsplash

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November 2019

Marke versus Marketing

Ein Marken(design)prozess, der strategisches, konzeptionelles und kreatives Denken vereint, ist ein aufwändiger Vorgang. Er bedarf deutlich mehr Aufmerksamkeit, als z.B. die Werbegrafik, die dem Marketing zugeordnet wird. Hier herrscht erfahrungsgemäß bei vielen Auftraggebern Verwechslungsgefahr – sicherlich auch verstärkt durch die sprachliche Verwandtschaft der Begriffe Marke und Marketing.
Obwohl sich beide Begriffe gegenseitig ergänzen und unbestritten wichtig sind für ein Unternehmen, beschreiben sie doch zwei grundsätzlich verschiedene – und hierarchisch unterschiedliche – Bereiche:

Marke

Marke (bzw. Markenentwicklung, -design und -führung) ist Aufgabe der Unternehmensführung und agiert auf strategischer Ebene, die der operativen Ebene vorangeht. Das Konzept der Marke hat als Ziel, eine klare, zukunftsweisende Positionierung und Profilierung im Markt (strategische Ausrichtung) und den Aufbau eines Markenwertes zu schaffen, der darauf abzielt, Kundenbindung zu gewinnen und den Wert des Unternehmens zu steigern (langfristige Ziele).

Marketing

Marketing hingegen hat die Aufgabe, Produkte und Dienstleistungen auf dem Markt anzubieten und zeichnet für die operative Umsetzung der strategischen Ausrichtung verantwortlich (kurz- und mittelfristige Ziele). »Eine Marketing-Kampagne definiert sich durch kurzfristige, speziell auf den Verkauf ausgerichtete Maßnahmen, um die vorab definierten Zielsetzungen zu erreichen.«¹ 

Der Aufbau einer Marke, respektive eines Markenwertes, ist nicht gleichzusetzen mit Marketing.

Wenn über beide Aufgaben im Unternehmen Klarheit herrscht, können Marketing und Markenführung ein perfektes Team abgeben, das maßgeblich zum Erfolg eines Unternehmens beiträgt.²

Quellen:
Photo by Claudio Schwarz | @purzlbaum on Unsplash
¹Prof. Müller-Beyeler, R. A.: Warum der Markenwert so enorm wichtig ist, http://therestlesscmo.com/artikel/warum-der-markenwert-so-enorm-wichtig-ist
²Brand Trust: https://www.brand-trust.de/de/glossar/marketing-versus-Marke.php

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September 2018

Neverending Branding: Redesign & Refreshment

Die Entscheidung, ob eine Marke erneuert oder »aufgefrischt« werden soll, bringt gerade in einer schnelllebigen, sich ständig verändernden Welt Unsicherheiten mit sich. Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür gekommen? Leider gibt es dazu keine allgemein-gültige Antwort, da jede Marke ihre ganz eigenen Ziele und Herausforderungen mit sich bringt. Mit einem durchdachten Markendesign und der Bereitschaft, Veränderungen als selbstverständlich anzunehmen, können Sie ihrer Marke ständig neues Leben einhauchen, ohne Bisheriges komplett von Bord zu werfen. So passt sich eine Marke und das Markendesign fortlaufend an die Anforderungen eines ebenso dynamischen Marktes an. Das sorgt dafür, dass sie zeitlos bleibt.¹

Deswegen ist der Entwicklungsprozess einer Marke kein linearer Prozess, bei dem am Ende eine »fertige« und unantastbare Marke steht – sondern vielmehr ein dynamischer Zyklus; ein ständiges und erneutes Hinterfragen und Justieren der eigenen Strategie und Identität unter Einbezug der Interaktionen und Rückkopplungen der Bezugsgruppen. Das menschliche Gesicht ist dafür eine passende Metapher: Es ist geschaffen für Begegnung und Wiedererkennung. Obwohl es sich im Laufe der Zeit ändert, lässt sich immer noch dieselbe Person dahinter erkennen. Und genau wie eine Person lebt auch eine Marke von ihrer Erkennbarkeit und Beziehungsfähigkeit.

Vor dem Zeitalter der Digitalisierung wurde ein Re-Branding üblicherweise an richtungsweisende Unternehmensentscheidungen, Innovationen oder Skandale geknüpft. Diese Auslöser waren offensichtlich und die daraus folgenden Veränderungen vorhersehbar.²

Die Zeiten haben sich geändert. Wir werden fortlaufend mit technischen Veränderungen konfrontiert; neue Geräte und Services kommen auf den Markt und bringen neue Funktionen mit. Dadurch ändern sich auch permanent die Erwartungen der Verbraucher und das in einem enormen Tempo. Sie müssen mit Ihrer Marke darauf reagieren, in dem Sie noch mehr die Kundenperspektive einbeziehen. Gehen Sie raus und reden Sie mit Ihren Kunden. Was denken diese über Ihre Marke? Wie stark ist ihre Markentreue? Spricht sie der Markenstil an? Fragen Sie, was Ihre Marke draußen am Markt repräsentiert.

Wenn Marken mit ihren Nutzern in Dialog treten, werden Sie erstaunliche Antworten zurückbekommen. Nutzen Sie diese Erkenntnisse, um an Ihrer Marke permanent zu feilen. Die Kunden werden es Ihnen mit neuer Aufmerksamkeit für Ihre Marke und echter Markentreue danken. Neverending Branding. 

Die Marke gehört den Kunden. Sie identifizieren sich mit ihr, erzählen über sie und machen sie so zu ihrem Eigentum.

Monotype, Schriften

Refreshment

Wenn sich der Umfang der Veränderung in Grenzen hält und sich lediglich auf formale Anpassungen im Markendesign beschränkt, sprechen wir von einem Refreshment. Hier wird die Marke aktualisiert. Die Ausgangslage: Wichtige Aktivitäten und Attribute rund um das Unternehmen »laufen rund« und sind erfolgreich: Social-Media Engagement, E-Mail Newsletter Response, Markentreue und auch Umsätze.

Manche Aspekte mögen aber vielleicht nicht mehr zeitgemäß wirken oder haben sich in der Praxis als untauglich herausgestellt. Da, wo Farben und Schriften im Druck vielleicht gut funktionieren, bereiten sie im Digitalen Schwierigkeiten. Das Logo lässt sich nicht zu einem Responsive-Logo skalieren oder den Schriften fehlt der passende Webfont, um die Marke digital konsistent zu vermitteln. 

Dann ist der Zeitpunkt gekommen, mit einem Refreshment nachzubessern, damit Ihre Marke zukünftig relevant bleibt und sich weiterentwickeln kann. Dabei bleiben Sie Ihrem Markenstil treu, ergänzen ihn aber mit neuen oder überarbeiteten Elementen. Diese Erneuerung sorgt nicht zuletzt auch beim Kunden für Begeisterung und lässt Ihre Marke zeitgemäß erscheinen.

Bekannte Marken bessern ihre Markenerscheinung übrigens andauernd auf, um ihren sich ebenfalls ändernden Zielgruppen zu entsprechen und Veränderungen sichtbar zu machen.

Redesign

Eine umfassende Erneuerung wird oft durch eine neue Perspektive, eine neue Message oder einen Umbruch im Unternehmen (Einführung von Innovationen oder Produktlinien, Eröffnung neuer Geschäftsfelder, Generationenübergaben etc.) herbeigeführt. 

Mit dem Wachstum und der Diversifikation eines Unternehmens kann es vorkommen, dass die Botschaft verwässert und inkonsistent wird.

Monotype Schriften

Gerade jetzt, wo ein frischer Wind durchs Unternehmen weht, muss die Marke des nun »neuen« Unternehmens die Werte sichtbar machen und den Anspruch des Unternehmens kommunizieren. Hier hilft nur eine Rundumerneuerung, also ein Re-Design, in der die Veränderung für jeden deutlich wird.

Holiday Inn ist ein gutes Beispiel für eine derartige Wende. Die Hotelkette galt lange Zeit als zweitklassig und blutleer. Holiday Inn beschloss daraufhin, 1 Milliarde Dollar in ein dreijähriges Projekt zu investieren, das die Marke vollständig umkrempelte. Die umfangreiche Umgestaltung spiegelte sich u.a. auch im neuen Logo wider; jede Menge umsatzschwacher Standorte wurden geschlossen und die verbliebenen Hotels renoviert, so dass sie dem erneuerten Markenstil gerecht wurden. Heute gewinnt Holiday Inn als beste Full-Service-Hotelkette des Mittelsegments einen JD Power Award nach dem anderen.³

Marke: Ein lebendiger Organismus

Marken entwickeln sich permanent. Fassen Sie die Zukunft ins Auge und bleiben Sie flexibel für Anpassungen und Veränderungen. Diese werden unweigerlich folgen.

Egal für welche Variante eines Updates Sie sich dabei entscheiden: Die Modernisierung des Markendesigns wirkt sich auf eine Reihe von Touchpoints aus. Die größte Herausforderung dabei wird es sein, seinen Zielen und Visionen treu zu bleiben.: »Auf dem Weg dorthin wird es viele Entscheidungen geben, sowie endlose Fragen und ständiges Hinterfragen auf allen Ebenen des Unternehmens. Dies ist ein natürlicher Teil des Prozesses, denn schließlich will jeder mitwirken und alles verstehen.«⁴

Quellen:
Photo by s w on Unsplash
Photo: Bata Brands SA
¹Monotype: Veränderung ist die einzige Konstante, Wenn es Zeit wird für ein Rebranding, S. 2
²Derso., S. 3
³Derso., S. 12
⁴Derso., S. 12

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